Das Sattlerhandwerk
Das Sattlerhandwerk
Sattler - Ausbildung & Berufsbild Drucken E-Mail
Geschrieben von: Lukas Hodiamont   
Samstag, 30. Oktober 2004 00:00

Sattler - Ausbildung & Berufsbild

Wenn es um Berufswünsche geht, dann beginnt ein Hobby bei den meisten Menschen eine neue Dimension zu bekommen. Für Pferdefreunde sind besonders die Berufe Sattler, Schmied, Pferdewirt interessant. Aber wie sieht die Realität der Berufe aus? Zum Beispiel der Sattler:

Die Arbeitsbereiche der Sattler setzen sich heute aus Autosattlerei, Reitsportsattler oder Fein- und Sportartikelsattler zusammen. Autosattler stellen alle Bereiche der Innenausstattung von Fahrzeugen her, aber auch z.B. Cabrioverdecke werden von ihnen gefertigt, jedoch auch LKW Planen und Bootsabdeckungen. 
Reitsportsattler hingegen stellen vor allen Dingen Sättel und Riemenzeug, Fahrgeschirre und Zaumzeug her. 
Der Sportartikelsattler fertigt die Spezialausrüstungen für Eishockey und Drachenflieger, Kanuten und Fußballer um nur einige zu nennen. Auch Reparaturen an Sportgeräten wie Trampolinen oder Bällen werden vom Sattler erledigt.

So unterschiedlich die erzeugten Güter sind, das Berufsbild aller Sattler umfasst immer die Verarbeitung von Leder und anderen Werkstoffen; die Holz- und Metallbearbeitung; den Umgang mit Näh-, Stanz- und Pressmaschinen und den Werkzeugen, wie z.B. Messern und Ahlen.

Die Ausbildung im Sattlerhandwerk
Grundsätzlich ist die Ausbildung zum Sattlergesellen durch die Handwerksordnung geregelt. Die Ausbildungsverordnung ist Bundesweit einheitlich und soll garantieren, das die fertigen Gesellen überall im Land die gleichen Chancen haben. Es handelt sich um eine dreijährige Ausbildung in einem Sattlermeisterbetrieb und den parallelen Besuch einer Berufsschule. Die betriebliche Ausbildung gibt dem Auszubildenden einen Einblick in die Berufswelt seines Lehrbetriebes. Es werden die Grundkenntnisse vermittelt wie Nähen mit Hand und Maschine, Lederbearbeitung und Zurichtung, Polstern und Reparieren. Durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Sattlerbetriebe ist es dem Lernenden möglich, das ganze Spektrum des Berufes kennen zu lernen. Autosattler lernen beispielsweise also zeitweise beim Reitsportsattler und können grundsätzlich auch die dabei notwendigen Dinge. In der Abschlußprüfung wird dann die ganze Bandbreite des Handwerks abgefragt.

Ausbildungsinhalte die laut Handwerksordnung festgelegt sind (nach Auskunft der Handwerkskammer):
Arbeitsschutz, Unfallverhütung, Umweltschutz und rationelle Energieverwendung 
Kenntnisse des Ausbildungsbetriebs sowie arbeits- und tarifrechtliche Regelungen 
Pflegen der Arbeitsgeräte, Werkzeuge, Maschinen und Einrichtungen 
Auswählen der Werk- und Hilfsstoffe 
Zuschneiden von Textilien, Leder und anderen Werkstoffen 
Schärfen von Leder 
Kleben von Leder und anderen Werkstoffen 
Nähen von Hand und mit Maschinen 
Schweißen von beschichteten Geweben 
Ausführen von Teilarbeiten zur Herstellung von Werkstücken 
Endfertigen von Werkstücken 
Polstern 
Prüfen von Erzeugnissen 
Entwerfen und Entwickeln von Arbeitsmustern -> Tabelle Lehrplan

Die Tätigkeiten im Beruf sind:
Entwurf, Anfertigung, Aufarbeitung und Restaurierung von
- Ausrüstungen, insbesondere Geschirre, Sättel, Schutzdecken und
Zubehör, für Zug-, Reit-, Trag- und andere Tiere
- Innenausstattungen für Kraftfahrzeuge, Boote, Kutschen und Flugzeuge;
Sitz- und Liegepolster sowie Anfertigung von Verdecken,
Planen und Zelten
- Erzeugnissen der Fein- und Koffersattlerei, Arbeitsschutzartikeln u. a.
- Sportartikeln und -geräten

Grundvoraussetzung an jeden Interessenten zur Ausbildung als Sattler sind:
räumliches Vorstellungsvermögen
mechanisch-technisches Verständnis
Einfallsreichtum, Sinn für Formen und Farben
Kenntnisse in Mathematik
Fertigkeiten im Werken, Zeichnen, Handarbeiten
gesunde, widerstandsfähige Haut 

Entlohnung in der Lehrzeit laut Auskunft der Handwerkskammern (Stand Mai 2002):

  • 350€ im ersten Lehrjahr
  • 400€ im zweiten Lehrjahr
  • 450€ im dritten Lehrjahr

Nach der Prüfung durch die Kammer stehen dann noch mindestens drei Gesellenjahre an, in denen man die erworbenen Einblicke erweitern und die Kenntnisse in dem Beruf festigen kann. Anschließend, nach dem Besuch der Meisterschule und dem Ableisten der Meisterprüfung die auch die Erstellung eines Meisterstückes einschließt, ist man befähigt einen Betrieb zu eröffnen. Die erworbenen Kenntnisse in der Meisterschule sind über den Gesellenbereich hinaus die komplexe Anforderung an die Neuerstellung eines Werkstückes. Vermittelt wird ebenso die Planung und Durchführung, aber auch die Koordination mit späteren Mitarbeitern. Weitere wichtige Seite ist die kaufmännisch, wirtschaftliche Komponente, damit man die zur Selbständigkeit notwendigen Fähigkeiten besitzt. Egal ob das nun in der Autosattlerei eine Lederpolsterung ist oder ob es sich um Werkstücke wie Sättel handelt. Als Meister ist man ein gefragter Spezialist.

 
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