Sattler - die Selbständigkeit Heute wird in Deutschland gerne und oft darüber diskutiert, ob die Meisterprüfung noch zeitgemäß ist. Die Rede ist davon, das die Handwerkskammer mit ihren untergeordneten Innungen doch überholt sei und es einer Erneuerung im Handwerk bedürfe. Ein weiteres Argument ist auch das die derzeitigen Regelungen in anderen europäischen Ländern nicht gefordert werden, und es dort auch "so gut gehen würde". Dabei wird gerne übersehen, das es in vielen anderen Europäischen Ländern ebenfalls Handwerkskammern oder ähnliche Institutionen gibt. Die Genehmigungsverfahren zur Selbständigkeit erscheinen mir aufgrund steigender Konkurse mangels kaufmännischer Fähigkeiten und dem Wunsch nach Wiedererlangung einer oft verlorengegangenen Qualität eher restriktiv zu sein.
Wieso also diese Struktur?
Dazu einmal folgende Denkansätze:
Ein Geselle im ersten Gesellenjahr, also direkt nach der Prüfung, kennt nur seinen Ausbildungsbetrieb und die Betriebe in denen er im Zuge der Ausbildung arbeiten mußte und die Arbeiten mit denen er dort betraut wurde. Aufbauend auf diesem Grundstock erwirbt er seine umfassenden Fähigkeiten erst in den Gesellenjahren.
Gäbe es keine Handwerksverordnung: - Wer würde die Lehrpläne aufstellen? - Wer würde die Durchführung überprüfen? - Wer könnte "näher am Markt" als eine gemeinsame Kommission von Handwerken die ständige Überprüfung der Lerninhalte realisieren? - Wer würde eine gemeinsame Ausbildung in unterschiedlichen Betrieben realisieren können?
Wenn man nur seinen Betrieb kennt, keinen Überblick für übergeordnete Arbeitsabläufe und die erforderliche Koordination hat, kann man keine Mitarbeiter beschäftigen. Die Betriebsgröße wäre sehr begrenzt.
Während der drei vorgeschrieben Gesellenjahre kommt der Jung-Sattler mit weiteren wichtigen Tätigkeiten in Berührung, die man einem Auszubildenden nicht überläßt. Es entstehen wichtige neue Erkenntnisse. Der Umgang mit den Kunden wird geübt. Die Sichtweise des Kunden wird so verständlicher, jedoch auch die Abgrenzung zu den Kenntnissen des Gesellen.
In der Meisterausbildung erlernt der Geselle dann die noch fehlenden Fähigkeiten, wie z.B. Betriebsführung, Kalkulation, Mitarbeiterführung, Ausbildungsbefähigung und Pädagogik, mit deren Hilfe er selber einmal ausbilden kann. Auch spezielle Kenntnisse, zu denen man in der Gesellenzeit noch nicht gefunden hat, weil die Möglichkeiten des Arbeitsplatzes dies nicht ergeben haben, werden gelehrt.
Ganz wichtig ist auch die rechtliche Seite, besonders für den Kunden: Sollte man einmal unzufrieden sein, wie kann man an zu seinem Recht kommen? Dazu auch Schadensregelungen im Sattlerhandwerk. Bedenkt man, das bei vielen an die Sattler gestellten Aufgaben ein Sicherheitsaspekt zu Grunde liegt, wird die hohe Verantwortung des Sattlers ersichtlich. Diese Verantwortung liegt ausschließlich beim Meister, der für jeden "Pfusch" seinen Kopf hin halten muß und somit auch sehr großes Interesse hat, dieses zu verhindern. Es handelt sich ja in den allermeisten Fällen um stark sicherheitsrelevante Dinge, wie Schutzkleidung, Sättel und Riemenwerk. Planen und Persenning, Zug- und Traggeschirre. Eine Dysfunktion kann zu tödlichen Unfällen führen.
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