Geschichte des Sattels IIWie Sättel entstanden und wie sie sich veränderten: Der Mensch beginnt zu reiten: Die ersten Sättel waren mehr lederne Decken zum Schutz des Pferderücken und des Reitergesäßes. Sie ermöglichten längere Ritte, wie sie zu Kriegs- und Eroberungszwecken nötig waren. Genannt wurden diese Decken der Reitervölker "Sattelkleid" oder bei den Steppenvölkern "Sattelkissen". Funde in Gräbern belegen den Einsatz solcher Sitzkissen bereits ab dem 5. bis 4. Jahrhundert vor Christus. Die Sättel befähigten des Team Pferd und Reiter nicht nur, über lange Distanzen zu gelangen, sondern erhöhten auch die Geschicklichkeit der kriegerischen Reiter. Reiterführer wie z.B. Xenonphon machten Beobachtungen die ergaben, das Pferde leistungsfähiger waren, wenn Reiter- und Gepäckgewicht über große Flächen verteilt wurden. Die Entwicklung ging hin zum Sattelbaum, zuerst einem rahmenartigen Gebilde, das an beiden Seiten flache Holzleisten besaß und mittels Streben vorne und hinten verbunden wurde. Bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. sind Abbildungen von skytischen Sätteln bekannt, die schon Sattelbäume besitzen. Auf einem Grabmonument eines der Oberste von Julius Cäsar sind gesattelte Pferde zu erkennen, bei denen der Sattelbaum mit Gurten am Pferd befestigt ist. Nach und nach wurde den Reitern ihre Bequemlichkeit wichtig und es entstanden Lehnen am hinteren Teil des Sitzes und eine Aufwölbung am vorderen Teil. Je nach den Anforderungen des Reiters wurden diese Lehnen höher oder niedriger gestaltet. Diese Sättel besaßen noch keine Steigbügel. Eine Aufsteighilfe waren bei Römischen Soldaten Lederschlingen, welche am Speer befestigt waren. Auch wird gemutmaßt, das der Kampfeswahnsinn der mongolischen Reitervölker der Tatsache entspringt, das ihre Beine stundenlang ohne Unterbrechung herabbaumeln.
Die Erfindung des Steigbügels: Nach Funden wird die Entwicklung des Steigbügels auf das zweite vorchristliche Jahrhundert datiert. Es waren Ringe, in die man den Großzeh stützen konnte, denn geritten wurde mit leichtem Schuhwerk oder ganz ohne Fußbekleidung. Einige Zeit versperrten sich Menschengruppen aus ideologischen Gründen dem Einsatz der Steigbügel, jedoch hatten diese bald ihren festen Platz in der Reiterei. Nun konnten auch Menschen auf dem Pferderücken Platz nehmen, die sonst schon am Aufsteigen gescheitert wären. Vor der Erfindung des Steigbügels war dieses nur agilen jungen Menschen vorbehalten. Xenonphon fordert in seiner Reitlehre, das der Pferdeknecht die "Persischen Aufsteighilfen" beherrscht. Aufsteigblöcke fanden Verwendung, sowie der Einsatz von Sklaven oder Kriegsgefangenen.
R. H. Beatie meint dazu: "In der Kunst der Kriegführung ist die Erfindung des Steigbügels mit der Entdeckung des Schießpulvers gleichzusetzen. Dies war so wichtig, wie die Entwicklung des Frachttransportes. Es verwundert, das Menschen für diese Erfindung so lange Zeit benötigten, wo doch die Steigbügel einen stabilen Sitz und weitere wichtige Vorteile brachten." Wie es dem Menschen eigen ist, machten die Steigbügel auch ihre Entwicklung vom rein zweckgebundenen Gerät zum gestalteten Kunstwerk. Aus dem Ring für den Zeh wurde ein Ring, in den man mit dem beschuhten Fuß treten konnte. Dies ermöglichte auch den Kampf am Boden mit beschuhtem Fuß. Danach wurden die Form und das Aussehen verändert, Materialien wie Holz und Metall wurden eingesetzt und in den kunstvoll gearbeiteten Sattelschuhen der Spanier, den getriebenen Kunstwerken aus Edelmetallen bei den Hofleuten des Mittelalters und in den Kostbarkeiten aus gestaltetem Leder bei den Cowboys Amerikas spiegelt sich die Hochachtung des Menschen für die Reiterei.
|