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Seite 1 von 2 VorwortEin Rückblick auf 30 Jahre Saddlemaking!Wann das Interesse an Pferden, an Waffen, am „Wilden Westen“, an Cowboys und ihren Ausrüstungsstücken bei mir geweckt wurde? Ich kann es gar nicht sagen – irgendwann als Kind, durch Fennimore Cooper, Karl May, wohl schon in den 50er Jahren, als Elvis noch frisch und munter in Heidelberg war, vor der Flower-Power-Zeit, als Jugendliche noch Hasch-mich spielten anstatt Hasch zu rauchen ...
Jedenfalls ... Bis zum ersten Pferd dauerte es dann schon noch etwas, und den ersten Westernsattel kaufte ich 1970 bei Leander Kaufmann in München. Das war dann auch der Anlaß selber Sättel zu bauen, weil man dieses Teil kaum reiten konnte!
Es ist wohl offensichtlich das es mir dabei weniger ums Geld verdienen ging als vielmehr um die Kunst des Sattelmachens, denn ein Markt war nicht vorhanden, Westernreiter waren zu dieser Zeit etwas wirklich exotisches, Individualisten die gegen den Strom schwammen und denen es gleich war im Wald von anderen Reitern mit „Hey Django – zieh“ begrüßt zu werden. Und es gab nur eine Handvoll davon.
Neben meinen vielen anderen kunsthandwerklichen Interessen entwickelte ich meine Fähigkeiten auf dem Gebiet des Westernsattelbaus immer weiter, bis ich letztendlich mit meinen Leistungen zufrieden war und dieses Hobby zu meinem Beruf machte. Seitdem baue ich nun Westernsättel die von vielen Kennern bewundert werden und oft den Neid anderer Sattelmacher erregen.
Aber was geschah in diesen Jahren um mich herum in der „Westernreiter-Szene“?
Westernreiten wurde „hoffähig“. Es waren nicht mehr die Enthusiasten der frühen Jahre die „western ritten“ und sich Fähigkeiten und Hintergrundwissen aneignen wollten – es boomte!
Es boomte von Reitern die im „Englischreiter-Lager“ keine Chancen hatten weiterzukommen, die glaubten beim Westernreiten wären reiterliche Fähigkeiten unnötig. Es boomte von Saddle-Shops, deren Betreiber wenig Wert auf Qualität ihrer Ware legten, die nur eine „schnelle Mark“ machen wollten. Es boomte von Sätteln die außen „Hui“ und innen „Pfui“ waren, von Trainern die gestern noch nicht wussten wie „Pferd“ geschrieben wird ... - Kurzum, die Qualität des reiterlichen Können, die Qualität des Pferdematerials, des Equipments entwickelte sich bei weitem nicht in dem Umfang wie die Quantität des Marktes. Was also wirklich boomt ist die Masse der Umsteiger, die Pferdeflüsterer für verrittene Pferde, die Ostheopaten für verrittene Pferde, und natürlich „flexible Sättel“ für verrittenen Pferde und Pferde mit züchterischen- und anderen Gebäudemängeln – womit ich bei der jüngsten Vergangenheit gelandet bin. Während über viele Jahre mein Klientel aus Reitern bestand die das Besondere liebten, denen beste Qualität und künstlerische Ausarbeitung wichtig war, änderte sich mein Kundenkreis in den letzten Jahren vollkommen.
Es ging fast ausschließlich noch darum, irgendwelche Sättel für Pferde mit Gebäudefehlern herzustellen, weil unter den Konfektionssätteln auf dem Markt nichts passenden zu finden war. Oft genug hörte ich dann auch: „Eigentlich habe ich ja keinen maßgefertigten Sattel nötig, aber ich finde nirgendwo was passendes“, oder: „Eigentlich ist mir der Sattel ja zu teuer, aber was bleibt mir über, ich finde ja keinen passenden im Laden“.
Während es ursprünglich mein Ziel war die „Kunst des Sattelmachens“ neu zu entdecken blieb mir nun die Randniche „Orthopädischer Sattelbau“. Und während es ein Paar orthopädische Schuhe erst ab 1.500,- € aufwärts gibt war den Pferdebesitzern dieser Preis für einen Sattel noch zu viel, immerhin überstieg er oft schon den Wert des Pferdes. Nachdem darüber hinaus in den letzten Jahren immer mehr Anbieter mit "flexiblen Wunder-Sätteln“ in dieses Marktsegment vorstießen strukturierte ich meinen Betrieb beizeiten um.
Zur Gegenwart – Ein Großteil meines Betriebes liegt nun auf anderen Gebieten wie grafischer Gestaltung, Webdesign und ähnlichen Tätigkeiten.
Sattelbau hat wieder den Stellenwert einer Liebhaberei, ich betreibe sie zur Entspannung von der geistigen Arbeit, für Kunden mit gesunden und gutgerittenen Pferden und hohen Ansprüchen bei Sätteln. So kann ich mir weiterhin die Freude an dieser Sache erhalten.
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